samoth
Dienstag, 1. Mai 2007
1 zu 1
Geiler Arsch... So ne Ente mit dem Hinterteil-Schwänzchen in die Höh!
Die anderen Enten schwimmen in kleinen Grüppchen, auseinanderstobend, wenn das Brot kommt. Aber wo ist der Fischreiher? Er steht auf der anderen Seite der kleinen Insel, im Wasser, jetzt. Ohne Bewegung. Kurzes Zucken.

In Landungsumkreisung befindliche Krähen und Tauben, noch einen Kreis über den Teil zwischen Insel und Seebegrenzung, und, Landung!

Ah, da hinten, auf der Insel, Kopf in die Federn, meine chinesische Exoten-Ente, mit Schlitzaugen? Na ja, kann man ja jetzt nicht sehen. Es könnten aber welche sein, wenn man sich anschaut wie irgendwie asiatisch aussehende, einzelne Rückenfedern vom selbigen abgespreizt werden.

Kleiner Junge von Mami geschoben, an mir vorbei: erst ungläubig, dann seine Mutter auf mich hinweisend mit einem Nicken und dabei „ich-weiß-Bescheid-lächelnd“.

„Haste mal n Groschen?“

Schon halb an ihm vorbei, raunzt der etwas jiddisch aussehende alte Mann jeden an, der an ihm und seiner Bank vorbeigeht. Jetzt ist er eingenickt.

Die kleene Blonde (Mein Gott, wie süß) auf dem Arm von Oma macht „Winke, Winke“, zum Anraunzer, zum Muskelshirt-Zigaretten-im-Mundwinkel-Mann und zu mir, oder besser, seitlich an mir vorbei, was aber mir gegolten haben könnte. Ich sitze auf einer Bank, die auf dem Seerundweg inmitten von 7 nebeneinander gestellten Bänken Richtung See angeordnet sind.

Ah, der Reiher (blöder Name für einen Ästhet im Luftgang), hat seine Stelle um 90 Grad verändert (wenn man sich die Insel als eine Uhr vorstellt, steht er jetzt aus meiner Sicht auf Viertel nach Drei), und, zuckt kurz, erhebt sich mit lässigem Flügelschlag, und landet 3 Meter weiter, dieses Mal auf der Insel. Jetzt schaut er mich direkt an: Nein. Oder? Es könnte auch exakt in die entgegengesetzte Richtung gewesen sein. Ging zu schnell. Er ist jetzt wieder weitergeschritten... Ah, stopp halt, er startet... Wahnsinn... langsamer, eleganter Flügelschlag, Richtung Fontäne, die im Seemittelpunkt Wasser in die Höhe spuckt, treibt er um die Fontäne herum, lässt sie rechts liegen, alles in ca. 5-8 Metern Höhe, um dann zu Wassern, von hier aus sieht er aus wie eine Riesenente. Liegt auch genauso auf dem Wasser, taucht den Kopf ins selbige, und fliegt gleich wieder 5 Meter weiter, um auf einem aus dem Wasser ragenden Stein zu landen, der 3 Meter vom Seeufer entfernt ist (der See ist oval-artig und wird von einer 1 Meter hohen Eisenumzäunung umschlossen), allerdings jetzt auf der anderen Seite des Sees.

Der Reiher ist weg. Die Sonne scheint – durch die Weide hindurch. Es ist Frühling.

Der Reiher kommt aus dem Nichts geflogen, an der Wasserfontäne vorbei, um auf der Insel zu landen. Und zu spazieren. Seine Flugphase ist nicht zu beschreiben. Ich denke an einen Jungen mit dürren Beinen, der sich Federn gekauft hat und damit über den See fliegt, so liegt dieser Reiher in der Luft. Es sieht etwas zeitlupenartig aus, wie er mit jedem Flügelschlag die Kraft ausgleichend an die dürren Beine weitergibt, die davon nach hinten oben schwingen, als Gegengewicht. Es ist wohl mehr ein sanftes Nachvorneschaukeln als ein Durch-die-Luft-Gleiten. Der Reiher macht das mühelos, kraftsparend, auch elegant.

Er hat einen Fisch gefangen. Einen ganz kleinen, der rechts und links nur knapp über die Schnabelenden zappelnd gefangen ist. Und dann kurz auf dem Boden liegt und im Schnabel verschwindet. Nicht baden und sich waschen, nein, Fische fangen wollte der Fischreiher.

Er hebt langsam ab und landet 5 Meter weiter vor zwei verwunderten Enten, die auf dem Wasser schwimmend, Platz machen.

Will der Reiher mit den Enten anbandeln? Kurz schwimmt liegt er in Schwimmposition vor den Enten im Wasser und hebt dann doch wieder ab, zurück zu der Insel, wohl seiner Insel, die er mit gestrecktem Hals bewegungslos in Ordnung halten will.

Jesses, war die hübsch. Frau mit Kind auf m Arm und Kinderwagen vor sich herschiebend.

Der Reiher bewacht seine Insel, beobachtet eine Ente, noch ne andere Ente, reckt den Kopf... in eine neue Richtung, rechts an der Wasserfontäne vorbei. Und auch ein Fischreiher muss sich mal putzen, steckt den Schnabel in die seitlichen Hals- und in den Rumpfbereich. Steht wieder da. Putzt sich. Dreht gespannt seinen Kopf nach rechts – von mir aus gesehen. Und putzt sich. Hebt überrascht den Kopf?! Und putzt sich. Hebt den Kopf, mit gebücktem Hals. Und putzt sich.

Das kleine Kind neben mir will unbedingt ein Foto machen, von dem Reiher, ist aber zu weit weg... „Wir müssten auf die Insel rauf!“ Geht zurück zur Mama und setzt noch mal zum Foto an. Und geht. Mit Mama. Weiter.

10:23 Uhr auf meinem verstaubten Rechner. Schon ne gute halbe Stunde hier, ich werde auch aufbrechen. Um noch ein Eichhörnchen zu sehen, was vom Waldrand ans Wasser gelaufen kam, durch die Gitterstäbe durch. Und wohl Wasser trinken will. Am Uferrand den Kopf Richtung Wasser bewegt. Von einer Krähe, die seitlich sitzt, beobachtet, dann verfolgt wird. Das Eichhörnchen flitzt an dem naheliegenden Baumstamm hoch, 2 Meter, und die Krähe hockt davor. Das Eichhörnchen springt auf das Zaungitter und die Krähe hebt ab und bedroht sie aus der Luft aus ca. 0,5 Metern Entfernung: sie steht flügelschlagend in der Luft... das Eichhörnchen flitzt davon.

So. Jetzt geh ich aber. Nein, die chinesische Ente muss sich ohne meine beobachtenden Schreibereien gegen die Normal-Ente wehren.


5 Minuten später an diesem Tag:

Ich entferne mich vom See. Sehe einen kleinen Pudel, der auf mich zugelaufen kommt. Die Oma dahinter lächelt mich an.

Einige Meter später läuft eine junge Blonde mit gelbem T-Shirt 30 Meter entfernt auf dem Parkweg vorbei. Sie hat perfekte Brüste. Sieht zumindest so aus. Mein Gefühl ist: Beklemmung, Magendruck, ich will hinterher laufen, ich muss sie kennen lernen. Ich ärgere mich über dieses Gefühl des „Mich-ausgeliefert-Fühlens“. Und dann bin ich richtig depressiv sauer, auf mich, auf das Gefühl. Und dann denke ich, dass ich dieses Gefühl, diese Begebenheit doch genau so wahrnehmen könnte wie es gerade ist. Und nichts weiter. Weder dem Gefühl nachhängen, noch mich selbst dafür fertigmachen, dass ich so gefühlt habe.

Wieder einige Meter später gehe ich an einem auf der Bank sitzenden Mann vorbei, der Selbstgespräche führt. „... müsste auf englisch so heißen...“ Und sehe die nächste Frau auf dem Weg laufen, auf mich zu, mit durchschnittlichem Aussehen und dunklen Haaren.

Ich würde mich jetzt gerne auf eine Bank setzen, um den Mann zu beschreiben, der in einiger Entfernung auf einer Bank sitzt. Ich drehe mich um, sehe keine freie Bank in der Nähe... gehe weiter und finde keine andere Bank, außer die, die direkt neben dem Mann ist, der scheinbar eingenickt ist, ein Radio neben sich laufen hat, und eine schwarze Lederjacke trägt und wohl im landläufigen Sinn als Penner bezeichnet wird.

Genau jetzt habe ich auch ein schlechtes Gewissen, diesen Mann zu beschreiben. Das macht man nicht, das ist asozial, denke ich mir.

Hinter der Hecke, gegenüber aber durch die Hecke versteckt, höre ich den Selbstgesprächeführenden, er spricht und spricht... Und neben mir auf der Bank der heruntergekommen aussehende Mann, bewegt zeitlupenartig ein wenig den Kopf aus seiner gebeugten Schlafhaltung, gegen den Bankrücken gelehnt, in die von mir und meiner Bank, die direkt rechts neben seiner steht, weggeneigte Richtung. Der gegen die Bank gelehnte Schulterbereich bewegt sich, er bewegt seinen Arm und dann die Hand in Richtung Hinterkopf, wo er sich leicht mit der Hand durch die Haare fährt – wieder zeitlupenartig.

Mein Gott, mein schlechtes Gewissen ist immer noch voll da. Anstatt hier „Forschung“ zu betreiben, sollte ich ihm lieber helfen. Anstatt hier seine Lage für meine Beschreibungen zu missbrauchen, wie ein Voyeur der jetzt alle Mitleser auch zum Voyeur macht, fühle ich mich ziemlich blöd.

Wobei ich, während ich noch mit mir hadere, von einem ostdeutsch-klingenden Mädchenpromotionenteam angesprochen werde... ob ich denn nicht in dem naheliegenden Haarstudio vergünstigt meine Haare schneiden lassen möchte, wo ich noch schelmig interveniere, dass sie mich doch wohl nicht deshalb ausgewählt hätten, weil ich einen Haarschnitt nötig hätte und sie entgegnen, dass dies natürlich nicht so sei... und, ich könne auch noch jemanden mitbringen, da es ja schließlich bis zum August gelten würde.

Davon ist dann auch der Mann neben mir aufgewacht und ist jetzt gerade dabei seine Sachen zu packen. Das Radio ist aus. Und er ist dabei sein Fahrrad zu packen. Ich werd jetzt auch weiterziehen. Mit meinem schlechten Gewissen, mit 2 Haarfreikarten und keiner Ahnung, was ich als allernächstes machen könnte.

11:11 Uhr, am Parkrand, an der Bushaltestelle sitzend: Hoffentlich habe ich genug Zeit, meinen Rechner zuzumachen, wenn ich den Bus angefahren kommen sehe...

„Vor ca. .“ wollte ich eigentlich schreiben, aber genau in dem Moment sehe ich den Bus ankommen... Und ja: es klappte gerade noch: Datei speichern, von der Sonne geblendet und dem ankommenden Bus gehetzt, Rechner zuklappen und mit halboffener Tasche in den Bus zu der verwirrt schauenden Busfahrerin steigen.

So sitze ich jetzt, dieses hier schreibend, um 11:16 Uhr im Bus, um eben das zu schreiben, was ich jetzt vor ca. 10 Minuten noch im Park erlebt hatte.

Ein kleiner Vogel, mit blauleuchtendem Schwanzgefieder, flog zum Bauch neben dem Parkweg, den ich nahm, und kletterte dann noch n paar Zentimeterchen hoch, um dann kurz innezuhalten... Und dann: tacktacktacktack... oder besser brrrrrrrrrr... brrrrrrrrrr... brrrrrrr... und zwar nur für mich. Ein Buntspecht, denke ich mal, der da auf einen kleinen Aststumpf im Baumwipfel sitzend, einhämmerte... Nicht zu beschreiben. Nur für mich.

Ja, und danach kam mir der Gedanke, dass die beiden vorübergehenden Frauen, wieder recht attraktiv, natürlich gefallen und das da aber mehr an Gefühl nicht ist, nicht sein muss und auch nicht wahr. Und ich dem auch nicht nachhängen muss. Es klappt doch.

So, und dann war ich sauer, ob der Zeit die ich schon den diversen Copy-Tests (für Jung von Matt und Zum goldenen Hirschen) gewidmet habe... Wenn 150 Stunden dafür mal nicht zu knapp gerechnet ist.

Unglaublich, und, das beste, ich hab ja bisher noch nicht einen davon weggeschickt, und unzählige Fassungen auch bereits wieder verworfen...

Das reicht! Am Wochenende werde ich den JvM-Test fertig machen. Und rausschicken. Und dann ist gut mit Copy-Testen... Zumindest mit dem langen und aufwendigen, hab nämlich schon wieder nen neuen im Auge, WE DO Communication...

Schreiben ist gut. Verwerfen auch. Aber nicht zu lange, und dann abschicken: ist noch besser!

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Letzte Aktualisierung: 2018.03.12, 20:57
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